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Mittelburgenland: Heinrich, Igler, Iby & Lang

Bei unserer Besuch im Mittelburgenland in und um Deutschkreutz gab es praktisch nur Highlights. Mit Österreichs erfolgreichsten Winzerin Silvia Heinrich, einer Holzkathedrale für große Weine bei Clemens Igler, großartige Bio-Rotweine bei Eva und Tony Iby und schnelle bzw. raue Liebe in der Flasche bei Familie Lang.

Eigentlich sollte Silvia Lehrerin werden. Wir können alle nur froh sein, dass sich ihre Mutter mit diesem Wunsch nicht durchgesetzt hat. Stattdessen ist Silvia zu einer unheimlich sympathischen und detailverliebten Winzerin geworden, die nicht nur regelmäßig Höchstbewertungen erreicht, sondern sogar als erfolgreichste Winzerin Österreich gilt. Wir durften sie im Mittelburgenländischen Deutschkreutz besuchen, wo sie uns trotz Termindruck herzlich begrüßt und sich sehr viel Zeit genommen hat. Sie ist eine echte Powerfrau und auch noch alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Ihre große Leidenschaft ist eindeutig der Blaufränkische, den sie mit besonderer Hingabe vinifiziert. Ihre stets mit höchsten Punktzahlen bewerteten Top-Rotweine wie Cupido, Elegy oder terra o. gibt es nicht zwingend in jeden Jahrgang, sondern nur bei entsprechender Qualität. Besonders liebt sie derzeit aber den Goldberg Reserve. Die Rebsorten sind über 70 Jahre alt und wurden in den 1940ern zur Hochzeit ihrer Großeltern gepflanzt. Wenn man mit ihr zusammensitzt merkt man sofort, dass sie nicht nur beim Flascheninhalt eine absolute Perfektionistin ist, sie macht sich auch bei kleinsten Details auf den Etikett oder Präsentation große Gedanken. Das jede Flasche Wein ihre persönliche Handschrift und ganz viel Herzblut zeigt ist also fast untertrieben. www.weingut-heinrich.at

Das Weingut Hans Igler in Deutschkreutz setzt in dritter Generation die Wege seines Gründers fort. Seit den 1960er-Jahren bestehend, bewirtschaften Clemens und Anna Reisner nun die rund 38 Hektar. Der Mix aus Tradition und Innovation, das Streben, sich immer weiterzuentwickeln, und die Treue zu sich selbst zeichnet das Weingut Hans Igler aus. Höchste Qualität, und das seit Jahrzehnten, bildet die Grundlage der Arbeit am Gut. Die bekanntesten Weine sind die Cuvées Vulcano und Ab Erico. Die bekanntesten Einzellagen sind Biiri und Hochberg. Das Weingut Hans Igler steht für kräftige, körperreiche und terroirbetonte Rotweine. Bei unserem Besuch auf dem Schaflerhof, der jahrhundertelang als Gutshof der fürstlichen Familie Esterházy fungiert hat, waren wir natürlich besonders von dem revitalisierten historischen Holzgewölbe beeindruckt. Ursprünglich ein Heustall für die Schafe, ist es jetzt praktisch eine Wein-Kathedrale. Dieser Eindruck verblasste aber schnell, bei unserem Gang durch den Keller, der dank Clemens Mutter Waltraud Reisner, ein Paradies von Jahrgangstiefe ist. Natürlich haben wir die Gelegenheit gleich genutzt und einige dieser gereiften Weine gesichert, die selbst den Vergleich mit Grand Cru´s aus dem Bordeaux nicht scheuen müssen. Die 9er Jahrgänge waren hier übrigens immer besonders gut. www.hans-igler.com

Lang heißt Rotwein und guter Wein braucht „Lang“! Die tiefgründigen Böden und das pannonische Klima mit vielen Sonnenstunden sind halt auch die optimalen Voraussetzungen für die Produktion großer Rotweine. Rund 23 Hektar sind ausschließlich mit Rotweinsorten bepflanzt. Hauptsorte ist natürlich der Blaufränkisch. Besonders wichtig ist der Familie von Andrea und Stefan Lang das harmonische Zusammenspiel von Tradition und Moderne, sowohl bei den Weinen als auch auf dem Weingut selbst. So haben sie einen alten burgenländischer Streckhof zu einem modernen Weingut umstrukturiert. Entstanden ist eine Symbiose aus zeitgemäßer Architektur und alter Bausubstanz. Dass das nicht nur leere Worte sind zeigt die bodenständige und sehr herzliche Familie besonders mit den „Liebe“-Weinen. Die „Schnelle Liebe“ ist der originelle, aber trotzdem absolut ernstzunehmende Rotwein-Quickie in der 0,375l-Flasche und die „Raue Liebe“ als geschichtsträchtigster Wein, der ganze 3,5 Jahre in kleinen französischen Eichenfässern reift, bevor sie für ein weiteres Jahr im Barriquefass in der Erde mitten im Weingarten vergraben wird. In ca. zwei Metern Tiefe, erhält der edle Tropfen seinen Feinschliff von Mutter Natur höchst persönlich. Die Idee begann mit der Ausgrabung eines Briefes beim Weingutsumbau über die unerfüllte Liebe und den Schutz der besten Fässer im 2. Weltkrieg von Stefan´s Opa Sepp. www.rotweinelang.at

In Horitschon haben wir das Bio-Rotweingut von Familie Iby besucht. Auch wenn der erst kurz vor Corona errichtete Neubau nicht danach aussieht, die Familie betreibt bereits seit 1884 Weinbau und vor rund zehn Jahren wurde komplett auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Denn das wichtigste für Anton und seiner Frau Eva ist höchste Qualität und das steht für sie ganz klar auch in Verbindung mit Nachrichtigkeit. Zwei wichtige Dinge standen aber schon von jeher fest im Mittelpunkt: Der Blaufränkische und der Winzername Anton. Schon vor über 100 Jahren hat Anton Iby I. das Weingut gegründet und es war Anton der IV. der dem Blaufränkisch zum Durchbruch verholfen hat. Der aktuelle Anton M. der V. hat nun die Tradition mit der Moderne vereint. Denn mit den modernen “Kellerhallen” die man ganz nach Bedarf kühlen oder aufwärmen kann und seinem eigenen Labor, in dem er auch der kleinsten Eigenart und Eigenschaft des geliebten Blaufränkischen ganz genau auf den Grund geht, kann er immer perfekte Bedingungen für die Weine erzeugen. Das Ergebnis sind durchgängig geschmeidige-elegante Rotweine mit herausragender Frucht. Dazu beitragen tuen natürlich auch die unterschiedlichen Spitzenlagen wie Dürrau und Hochäcker. Eine weitere Tradition ist, laut Anton, das die selbstbewussten Antons der Familie Iby am Ende immer auf ihre Frauen hören. Und da Eva nicht weniger selbstbewusst ist, hat sie sich inzwischen auch mit zwei “Herzenswunsch”-Weinen durchgesetzt. Zuerst mit dem großartig fruchtigen Blaufränkisch Rose und ganz neu mit dem genauso überzeugenden weißen Blaufränkischen, für den bei unserem Besuch noch die Etiketten fehlten.

www.iby.at

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